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Dieses Thema hat 68 Antworten
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Class150 Offline




Beiträge: 1.733

26.05.2016 13:13
#16 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

Hallo "Dieselpower",

Na das EU-Regularium würde ich gerne mal sehen. Es ist bei einigen Betrieben modern geworden, alles auf die EU zu schieben. Macht sich doch besser, wenn man schreibt "Wegen der EU müssen wir den Bonus um 80% reduzieren" als wenn man (durch den Marketingsprachen-Fleischwolf gedreht) schreibt "Aufgrund unserer eigenen Raffgier müssen wir..." Und es fällt heutzutage ja auch auf fruchtbaren Boden, wenn man was auf die EU schiebt. Die EU regelt viel, aber wenn sie den Markt regelt, dann tut sie das nur, um sich nach außen zu schützen.

Die viel zitierte krumme Gurke war nur ein Importschutz. Die in der EU angebauten Sorten sind überwiegend gerade wachsend, während in Israel und Nordafrika damals krumm wachsende Sorten verbreitet waren. Wenn man seinen Binnenmarkt schützen wollte, konnte man also entweder Importzölle auf Gurken erheben, womit man aber im Zuge der Gleichbehandlung auch damals nicht zur EU gehörende, aber wirtschaftlich enger verknüpften Ländern auf dem Balkan geschadet hätte. Oder man definiert einfach, wie krumm eine Gurke sein muss. Dann konnten die Kroaten und Serben weiter ihre EU-konformen, geraden Gurken verkaufen - und Produkte aus der EU einkaufen. Die Israelis und Marokkaner aber mussten ihre krummen Dinger behalten oder in die USA und nach Fernost verscheuern, wo sie ja auch so gerne Konsum- und Investitionsgüter einkaufen.
Natürlich sind sie in Israel und Nordafrika irgendwann auf den Trichter gekommen, dass man ja für die Europäer gerade Gurkensorten anbauen muss. Damit war diese leider missverstandene Verordnung überflüssig und man konnte das "Bürokratiemonster" wieder abschaffen. Seitdem haben wir in der EU wieder billige Gurken von Bauern, die Chevrolet und Toyota fahren statt VW und Renault und Trecker von International Harvester statt Fendt.

Ich sehe im täglichen Umgang mit Kunden den Vorteil von EU-Verordnungen. Wir habe Produktionswerke in Deutschland, England, Schweden und Dänemark. Als ich vor 3 Jahren da angefangen habe, war REACH (eine EU-Verordnung zum Umgang mit Chemikalien) noch nicht in allen Ländern vollkommen umgesetzt. Wenn also ein Kunde eine Pumpe zur Reparatur einschicken wollte, hatten wir in 4 Werken auch 4 verschiedene Prozeduren, wie das alles abgewickelt wird und was der Kunde an Vorkehrungen zu treffen hat. Und in jedem Land waren andere Stoffe gefährlich. Erklär mal einem Kunden, dass er eine Pumpe, die nach England zur Reparatur muss, gar nicht reparieren lassen kann, weil es verboten ist, an einem Gerät zu arbeiten, das mit dieser Chemikalie in Kontakt gekommen ist. Wenn er aber an anderer Stelle im Betrieb eine aus Dänemark hat, mit der er die gleiche Soße pumpt, geht das sehr wohl.
Inzwischen ist REACH überall in nationales Recht umgewandelt. Mit der Folge, dass erstens das Verfahren in allen Standorten identisch ist. Okay, das ist firmenintern, aber dank einheitlicher Vorgaben in der EU sind sie am Hauptsitz in England in der Lage, zu beurteilen, was in Dänemark, Schweden oder Deutschland Sache ist. Es gilt ja die gleiche EU-Richtlinie an allen 4 Standorten. Zweitens sind auch die Chemikalienlisten EU-weit identisch. Jetzt müssen die Briten alles annehmen, was die Dänen auch annehmen und die Dänen alles ablehnen, was die Briten auch ablehnen. Kein "Aber bei der anderen Pumpe ging es doch auch..." von Kundenseite mehr.
Anekdote am Rande - von unseren 4 Ländern hatte UK übrigens als erstes und strengstes REACH umgesetzt und Deutschland als letztes und in der laxesten Form - das zum Thema "Deutschland prescht immer vor und setzt EU-Vorgaben 110% um".

Ich habe Deine Bahncard übrigens mal recherchiert. Es ist eine Begrenzung von Kreditkartengebühren auf 0,3% vom Umsatz. Du nutzt also wahrscheinlich die Bahn-Kreditkarte. Bisher hat die Bahn für den Einsatz der Karte von dem Händler, bei dem Du gekauft hast, eine saftige Gebühr kassiert - die der natürlich auf dem Preis drauf hatte. Über den Hintergedanken, dass die Produkte billiger werden, wenn die Kreditkartengebühr gedeckelt wird, kann man vortrefflich streiten. Da glaube ich auch mal nicht dran.
Aber es geht nicht darum, dass die EU ein Bonusprogramm kürzt. Sie deckelt lediglich die Gebühr für eine Dienstleistung, bei der der Anbieter (Kreditkartengesellschaft) oft einen heftigen Betrag vom Händler einfordert, der in keinem Verhältnis zum Aufwand steht. Alle Zahlungen per Kreditkarte und EC-Karte, Geldautomatenabhebungen, etc. werden über 3 Rechenzentren in Deutschland abgewickelt, die von allen Karten ausgebenden Institutionen (wo die Bahn vermutlich nicht mal zu gehört, da druckt nur eine Bank ein DB-Logo auf die Kreditkarte - außer die Deutsche Bahn besäße selber eine Bank) gemeinsam betrieben werden. Und lass Dir vom Sohn eines leitenden Sparkassenmitarbeiters gesagt sein, dass die Zentren schon "mehr als kostendeckend" arbeiteten, als Vattern in den Ruhestand ging. Und seitdem hat die elektronische Zahlung - und damit das Volumen der Kartennutzungsgebühren, weiter zugenommen. Also arbeiten sie inzwischen "viel mehr als kostendeckend".
Alles, was diese EU-Richtlinie jetzt macht, ist eine Begrenzung der Abkassiererei durch die Banken mit der Kreditkartengebühr. Freuen wird es die American Express Kunden. Weil Amex da am kräftigsten rein langt, stehen ja überall die Schilder "kein American Express" oder das Amex-Logo auf der Tür fehlt, auch wenn Visa, Mastercard und Co vertreten sind. Mit der Deckelung können die nicht mehr nehmen als die anderen und die Händler werden Amex vermehrt akzeptieren.
Und in der idealen Welt ändert sich für Dich auch nichts. Bisher hat der Händler von Dir einen höheren Preis verlangt, damit er die Kreditkartengebühr an die Bank bezahlen kann, die Deinem nominellen Kreditkartenherausgeber (Deutsche Bahn) eine Provision zahlt, von der Du Bonuspunkte bekommst. Das war rechte Tasche - linke Tasche. Mit dem Unterschied, dass man Dir Geld aus der rechten Tasche gezogen hat, die drei Stationen unterwegs was abgenommen haben und in Deiner Linken also "rechte Tasche minus Händlermarge minus Bankmarge minus Bahnmarge" angekommen sind.
Natürlich werden jetzt nicht vom Supermarkt bis zum Reiseanbieter alles Stellen jubeln, dass die Kreditkartengebühr entfällt und offensiv die Preise senken. Aber wir stehen ja - auch dank der EU - im internationalen Wettbewerb und Produkte unter Preisdruck. Also werden besonders in umkämpften Märkten zukünftige Preiserhöhungen ausgesetzt werden, da die Anbieter mit der gedeckelten Kreditkartengebühr ihre Betriebskosten anders kalkulieren können.

Wo ich Dir Recht geben muss, ist diese ewige Wanderung aller Parteien in die Mitte. CDU, SPD, FDP und Grüne haben sich im zweidimensionalen Politikdiagramm selbst ihre rechten (konservativen), oberen (autoritaristischen), linken (sozialistischen) und unteren (liberalen) Flügel gestutzt, in der Hoffnung, damit allen zu gefallen. Stattdessen haben sie links Raum für die Linke geschaffen, oben und rechts für die AfD. Beide Parteien halte ich dadurch für gefährlich, dass sie die Ränder ohne programmatische Verbindung zur Mitte bedienen. Das hatten wir in den 20ern schon mal. Als Liberaler steht man komplett in der Wüste, da sich da nicht mal eine Randpartei breit macht. Die Piraten haben sich ja als potenzielle Kraft selbst zerlegt, bevor sie sich in Deutschland etablieren konnten. In Skandinavien sind sie zu liberalen "Vollsortimentern" aufgestiegen.
Ich kann, da ich in Richtung Liberalismus mich selbst am Rande des politischen Spektrums verorte, durchaus die Leute verstehen, die AfD oder Linkspartei wählen. Weil sie von der Mitte, in der sich ihre etablierten Parteien drängeln, zu weit weg sind und es da eine neue Partei gibt, die ihrer Einstellung näher ist. Ich gehe nur wählen, um Schlimmeres an den mir noch weiter entfernten Rändern zu verhindern, weil "jede Stimme zählt". Eine Partei, durch die ich mich vertreten fühle, haben wir schon lange nicht mehr in Deutschland und das Strohfeuer Piraten ist ausgebrannt, bevor es dem Liberalismus Licht und Wärme spenden konnte. Aber ich fühle mich als Liberalist in der Mitte immer noch besser vertreten als in konservativen, sozialistischen oder autoritären Randbereichen durch AfD oder die Linke.

Viele Grüße
Mirko

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AGBM Offline




Beiträge: 1.156

26.05.2016 18:54
#17 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

Hallo zusammen,

das erstarken der Rechten ist ja nur eine Reaktion auf die Fehler und Unfähigkeiten und Selbstverliebtheiten der ehemals "großen" Parteien.
Ganz extrem in Österreich wo diese mit kurzer Unterbrechung seit Jahrzehnten zusammen regieren. Aber auch bei uns schadet die GroKo den beiden nur.

Die Parteienlandschaft hat sich und wird sich noch mehr verändern. Das finde ich aber generell mal nicht schlecht, das gehört halt nun mal zu einer Demokratie.
Und das Beispiel Schweiz zeigt uns andersherum, dass das sehr wohl gut gehen kann. Da regieren schon seit ewigen Zeiten alle mit allen, das System ist bei denen etwas anders. Die Politik der Regierung wird von den Parlamentsfraktionen der Regierungsparteien immer nur von Fall zu Fall unterstützt, sodass sich diese größeren Parteien zugleich in der Regierung und in der Opposition befinden.

Und die Schweiz zeigt uns, dass es sehr wohl OHNE diese Form der EU funktioniert. Man kann auch mit allen möglichen Ländern handeln, ohne da dabei zu sein.

Daneben zeigt uns die Schweiz aber auch, das es sehr wohl möglich ist mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Die haben prozentual viel mehr als wir oder Österreich.

Von daher hat für mich die Schweiz eigentlich das ideale "System": eigenständig, unabhängig, nach allen Seiten offen und zugleich human.

Viele Grüße
Bernhard


westhighlandline Offline




Beiträge: 515

28.05.2016 01:37
#18 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

{Off-Topic on}

Eigentlich mische ich mich nicht in politische Diskussionen ein. Aber da das Thema Brexit ja schonmal im Raum hängt und mich persönlich bewegt, mache ich kurz einen Anti-EU und Anti-AfD Rundschlag:

An dieser Stelle muss ich wohl zuerst Bernhard's Kommentar in Teilen zustimmen. Das Schweizer Politsystem hat seine Vorteile, aber auch seine Nachteile. Vorteil ist, dass alles, was von Bedeutung ist, vors Volk kommt. Nachteil ist, dass alles, was von Bedeutung ist, vors Volk kommt. Spanische Dörfer? Das Volk hat in der Schweiz das letzte Wort. Passt irgendetwas nicht, dann wird ein Vorschlag erarbeitet, wie man den Missstand abschafft. Diese Vorschläge können Initiativen aus dem Volk selber sein, aber auch parlamentarische Vorstösse. Diese kann man durch den National- und den Ständerat jagen, vom Bundesrat absegnen lassen, man kann aber auch als Einzelperson oder Interessensgruppe seine Stimme erheben und mit einem Gegenvorschlag eine Abstimmung erzwingen. Grob vereinfacht.

Hier zeigen sich die erwähnten Vor- und Nachteile. Vorteil: Zum Einen wird der Volkswille beachtet und demokratisch zur Abstimmung gebracht. Entweder wie vorgeschlagen, oder auch als Gegenvorschlag mit entsprechenden Alternativen, zwischen denen die Wähler sich entscheiden können. Nachteil: Die Erarbeitung und Prüfung solcher Vorschläge (Vorlagen) dauert meist eine Ewigkeit, vom Stimmenfang beim Bürger zum Erreichen der Gültigkeit mal ganz abgesehen. Und wenn dann die Abstimmung mal gelaufen ist, dann wird meist noch über die Umsetzung diskutiert, was auch wieder Zeit in Anspruch nimmt. Sprich: Änderungen kommen meist nur sehr langsam zum Tragen. Egal ob positiv oder negativ. Aber immerhin: jeder informiert sich, hat eine differenzierte Meinung, gibt eine Stimme ab. Gelebte Demokratie mit Konsenslösungen für Alle. Das "ideale System".

Jeder wird wohl zustimmen, dass die Schweizer Freiheit des Einzelnen, seiner Stimme Gehör zu verschaffen, von unschätzbarem Wert ist. Einem Wert, den der gemeine EU-Bürger nicht sein Eigen nennen kann. Im aufgeblähten Regulierungsapparat der EU hat man als Individuum keinerlei Mitspracherecht, was unweigerlich dazu führt, dass man sich in sein Schicksal fügt und alles einfach geschehen lässt. Hand aufs Herz, wer kann aus dem Stehgreif heraus seinen Europaabgeordneten nennen? Und wer kann guten Gewissens sagen, dass dieser Vertreter im Sinne seiner Wähler handelt?

Europa ist riesig, und das Schweizer "ideale" System lässt sich wohl leider kaum auf so ein grosses "Einzugsgebiet" anwenden. Man stelle sich vor, dass jeder Bürger der EU Vorlagen einreichen könnte, für die dann Unterschriften gesammelt werden müssten, bevor sie dann irgendwann mal allen zur Abstimmung vorgelegt werden. Undenkbar. Vor allem, weil nicht jede Vorlage jeden gleich berührt. Sicher nicht auf Landesebene. Denkbar aber eher noch im kleinen Rahmen, im lokalen, standortspezifischen. Obwohl ich persönlich stark bezweifle, dass selbst diese Variante, lokal abzustimmen überall in Europa von Erfolg gekrönt wäre. Warum? Meine Meinung: fortgeschrittene Gleichgültigkeit der (europäischen) Wähler. Mangelndes Interesse an Meinungsvielfalt. Bei der Vattenfall-Abstimmung in Berlin zum Beispiel hatte gemäss diversen Medienberichten ein Grossteil der Bevölkerung überhaupt keine Ahnung, worüber abgestimmt wurde. Die Information war zu undurchsichtig, wurde zuwenig gut kommuniziert, war "uninteressant". Uninteressant = gleichgültig.

Genau darin wittere ich das grösste Problem der EU: Ahnungslosigkeit und Gleichgültigkeit der Bevölkerung aufgrund mangelnden Mitspracherechts und unklarer Information. Gerade weil man nicht weiss, was genau in der EU abgeht, begibt man sich in die Egalität. Man informiert sich nicht, weil es nicht interessiert, weil man "eh nichts ändern" kann. Und dass in genau solchen ahnungslosen, uninformierten, vielleicht noch bildungsfernen Kreisen der Boden für populistisches Gedankengut besonders nährstoffreich ist, das lässt sich nicht von der Hand weisen. Darum betrachte ich die Entwicklungen z.B. in Deutschland mit Sorge. Gerade, weil eine AfD mit ihrer (wenn auch abgeschwächten) Rhetorik an Zeiten vor 1939 erinnert. Vorletzte Woche: Anne Will. Thema: "Integration per Gesetz - Wer soll zu Deutschland gehören?" Dieser Frauke Petry konnte ich nicht zuhören, ohne dass mir die Ohren weh taten! Polemik vom Feinsten. Da konnten die "hochtrabenden", wenn auch präzisen, aber eben nicht für Jeden verständlichen Worte der anderen geladenen Gäste nichts dran ändern.

Schauen wir mal zurück nach Schottland. 2014. Abstimmung über den Austritt aus dem UK. Ich war kurz vor der Abstimmung im Land und habe mich in diversen Gesprächen vor und während des Aufenthalts davon überzeugen können, dass die Schotten das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen und jeder - egal aus welcher Bevölkerungsgruppe - eine sehr dezidierte, auf fundierten Fakten basierende Meinung für ein Pro oder Contra hatte. Man merkte deutlich, dass sich quer durch alle Bildungsschichten jeder informiert hatte, weil das Thema emotional belastet war und jeden Einzelnen berührte. Gleichzeitig wurde ausführlich berichtet, jedem Interesse wurde eine Plattform gestellt, Informationen waren klar und einfach gehalten. Jeder wusste, dass diese Abstimmung alles verändern könnte, also war sie keinem gleichgültig.

Berlin, Weihnachten 2015: Familienfest. Grosses Gesprächsthema: die Flüchtlinge. Statt einer erwartet ausgewogenen, vernünftigen und sachlichen Diskussion folgende Sprüche: "Die vergewaltigen unsere deutschen Mädchen!" - "Die nehmen uns Deutschen die Arbeitsplätze weg!" ... nach einer Stunde banaler Aussagen wie dieser zwei Beispiele musste ich schockiert den Raum verlassen. Null fundierte Information. Völlige Gleichgültigkeit gegenüber anderen Meinungen. Hatte jemand mal ein paar seriöse Zeitungen gelesen? Sich aus erster Hand informiert? Sich mit anderen vernünftig auseinandergesetzt und die andere Seite betrachtet? Nein. Es war anscheinend in der Familie einfacher, sich aus Bequemlichkeit aufs Hörensagen aus dritter Hand und die Bilder auf YouTube zu verlassen und ohne nachzudenken deren allgemeinen Tenor aufzunehmen.

So, wie es die AfD macht: einen perfiden, simplen allgemeinen Tenor zu erzeugen, der in gewissen Kreisen Gehör findet. Ich wittere im deutschen Umfeld momentan einfach ein riesiges Manko an "Interesse an beiden Seiten". Vielleicht ist das den modernen Medien geschuldet. Zu einseitig. Zu reisserisch. Keine dezidierte, sachliche Auseinandersetzung mit zurzeit wichtigen Themen.

Die Zeit, März 2016: "Unter Arbeitern und Arbeitslosen erzielte die AfD in allen drei Bundesländern herausragende Ergebnisse. In Sachsen-Anhalt wählte mehr als ein Drittel von ihnen AfD, in Baden-Württemberg fast 30 Prozent. Die noch bei den zurückliegenden Landtagswahlen, etwa in Brandenburg und Thüringen, starken Stimmengewinne bei den Selbstständigen nivellierten sich hingegen.
Frustrierte "einfache Leute"

Brisant ist zudem: Nicht nur Bürger mit einfacher, sondern vor allem mit mittlerer Bildung haben die AfD gewählt. Damit gelingt es der Partei nicht nur, die Abgehängten zu mobilisieren, sondern auch Teile der Mittelschicht zu erreichen. Jene, die zwar nicht entkoppelt sind, aber dem Aufstiegsversprechen moderner Gesellschaften offenbar keinen Glauben mehr schenken und sich durch Veränderungen in erster Linie gefährdet sehen. Die Flüchtlingskrise scheint ihnen der Kulminationspunkt bedrohlicher Entwicklungen. Fast kein AfD-Wähler glaubt, dass die Bundesregierung die Lage in den Griff bekommt."


Ich werfe Teilen meiner Familie jetzt kein Bildungsdefizit vor. Aber ich werfe ihr Informationsmangel und damit Gleichgültigkeit vor. Und diese Gleichgültigkeit hat die EU mitzuverantworten, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Fazit: Solange diese Gleichgültigkeit genährt wird, solange werden auch rechtspopulistische Kräfte Zulauf finden. Oder sich ein Grossbritannien überlegen, ob es den ganzen Irrsinn noch mitmachen möchte, weil ihm als Land nicht gleichgültig ist, wie es mit seiner Zukunft weitergeht. Die Briten machen es richtig: sie verschaffen sich Gehör und liefern Fakten. Sie diskutieren, sie informieren sich, sie wägen Vor- und Nachteile ab. Damit sind die Briten momentan wohl das Schweizerischste Volk neben den Schweizern. Und daher werden die Briten am Ende alles richtig machen und einen Konsens finden, der für Alle passt.

{Off-Topic off}


FelixM Offline

BBF- und BBF-Wiki-Admin


Beiträge: 4.063

28.05.2016 10:15
#19 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

Zitat von Dieselpower im Beitrag #14
Dann fühlen sich die Eurokraten ständig berufen, das Rad neu zu erfinden...bleiben wir doch bei der Bahn:
Da sind hunderte, wenn nicht tausende Ahnungslose (haben vermutlich noch nie einen Bremszettel oder einen Hemmschuh aus der Nähe gesehen) unter dem tollen Begriff TSI (Technische Spezifikationen für Interoperabilität) damit beschäftigt, daß Züge "bald ungehindert durch Europa rollen" können....Hallo? Habt Ihr den Knall nicht gehört? Das hat vor Euch schon ganz hervorragend geklappt, teilweise viel besser sogar, denn während im Reiseverkehr nationale Plastikzüge erst aufwendig für den grenzüberschreitenden Verkehr ertüchtigt, angepaßt und zugelassen werden müssen (Meistens eh nur eine binationale Lösung wie der ICE1), fuhren noch vor 20 Jahren bunt gewürfelte Fernzüge mit Wagen aus 6 oder 7 Ländern täglich durch Köln! Gibt es ein schöneres Beispiel für den völlig entbehrlichen Wasserkopf der EU? Was da von ein paar Idioten in Schlips und Kragen ständig neu erfunden wurde, hat der UIC seit Jahrzehnten in Eigenregie viel besser im Griff gehabt! Pufferhöhe, Spurweite, Bremsregeldruck, Heizspannung...alles geregelt, und ab geht der Zug. Und nun höre man mir auf mit dem internationalen Traxx & Co Gerümpel und dem wegfallenden Lokwechsel...wie viele Minuten verliert man denn da? Denn Abrüsten, Umschalten, Wiederaufrüsten, Testen....selbst wenn alles reibungslos klappt, dauert es nur unwesentlich kürzer als ein Tfz-Wechsel und eine vereinfachte Bremsprobe.


An den TSI gibt es höchstens etwas an der konkreten Umsetzung zu kritisieren. In die Medien geschafft hat es ein neuer Haltepunkt an der Bahnstrecke Lübeck – Fehmarn, der nicht eröffnet werden konnte, weil er an einer TSI-Strecke liegt und keinen Fahrkartenautomat aufwies, dies aber laut TSI vorgeschrieben ist. Dass der HAltepunkt lediglich einen Gewerbepark, hauptsächlich bestehend aus einem großen schwedischen Einrichtungsmarkt mit vier Buchstaben, erschließen soll, darauf ist (war?) die Regelung nicht ausgelegt.

Aber grundsätzlich sind TSI sinnvoll. Das von dir liebevoll beschriebene herumklempnern an Güterzügen und der kürzlich publik gewordene Millionenverlust von DB Cargo haben nämlich beide dieselbe Ursache: Die europäischen Bahnen schaffen es nicht, die Marktansprüche der Güterkunden zu erfüllen. Die Railway Gazette hat vor ein paar Tagen darüber einen Artikel geschrieben: http://www.railwaygazette.com/news/polic...the-market.html

Ich fasse die wichtigsten Punkte mal zusammen.

Was läuft schief: Güterzüge stehen zu viel herum, ohne zu fahren. Die durchschnittliche Geschwindigkeit eines Güterwagens in Mitteleuropa beträgt nur 18 km/h. Das ist Binnenschiff-Geschwindigkeit, wobei ein Binnenschiff mehr Tonnage zu einem günstigeren Gesamtpreis befördern kann.
Das liegt zum einen an der Priorisierung des Personenverkehrs, zweitens dem schlechten Streckennetz, welches es Güterzügen nicht ermöglicht, priorisiertem Personenverkehr effektiv auszuweichen, und drittens unzulänglichen Rangiermethoden. An der Priorisierung des Personenverkehrs will niemand rütteln, und das Schienennetz ausbauen will auch keiner – kostet ja Geld. Mit den Rangiermethoden ist das so eine Sache. Während wir bereits computergesteuerte Rangierbahnhöfe haben, deren Ablaufbetrieb hochoptimiert sind, scheitert es eher an der Dauer, die man braucht, um die Wagen zu entkuppeln (Problem Schraubenkupplung, mögliche Lösung Mittelpufferkupplung) oder einfach im Zu- und Ablauf zu den Rangierbahnhöfen. Maschen beispielsweise ist eher schlecht in das Netz eingebunden, bezogen auf Streckenkapazitäten und Fahrstraßenausschlüssen in den Abzweigstellen. Im internationalen Verkehr kommt noch dazu, dass an den Grenzen eine verkehrlich völlig unnötige Übergabe von einer ex-Staatsbahn zur nächsten stattfindet.
Gute Arbeit machen die kleinen EVUs, z.B. Freightliner PL. Die haben Loks, die in Polen und Deutschland fahren können, und liefern so aus den polnischen Steinbrüchen direkt nach Deutschland. An der Grenze wird kurz angehalten, der polnische Lokführer steigt ab, der deutsche auf. Mit PKP Cargo und DB Cargo würden die Wagen in Frankfurt/Oder von der PKP abgestellt und irgendwann von der DB abgeholt werden. Das kostet alles Zeit, die der Kunde mitbezahlen muss.
Für den Modellbahner langweilig, aber Ganzzüge ohne Lokwechsel stellen international die beste Lösung dar. Daher die TSI.
Die Konkurrenten LKW und Flugzeug haben im Gegensatz zur Bahn das Image, dass internationale Transporte gar kein Problem sind. Tatsächlich sind die Einschränkungen wesentlich geringer als bei der Bahn, es ist zumindest schon mal kein "Krampf", so einen Transport zu organisieren. Man muss schon genau hinschauen, um die Hindernisse bei anderen Verkehrsträgern zu entdecken: Nicht kranbare Auflieger sind in Osteuropa die Norm, weil sie billiger zu bauen sind, hierzulande aber unerwünscht, weil die Verlagerung auf die Bahn ja das Langfristziel ist, somit zeichnet sich eine Gebühr auf nicht kranbare Auflieger ab. Will man nach UK mit einem europäischen Fahrzeug einfahren, kann es sein, dass man die Scheinwerfer abkleben muss. Fahrzeuge ohne Zurrösen dürfen nicht auf Fähren mitgenommen werden und haben somit keine Möglichkeit, z.B. Sardinien zu erreichen. Im Luftverkehr sieht es ähnlich aus, Überflugrechte und Landerechte sind keine Selbstverständlichkeit, sondern basieren auf einer unüberschaubaren Vielzahl von bilateralen Verträgen, die alle leicht unterschiedlich sind. Es kann sein, dass man irgendwohin aus einem bestimmten Land nicht kommerziell hinfliegen darf, aus einem anderen Land aber schon. Auch gibt es Gebiete mit dauerhaftem (z.B. Militärgelände) oder temporärem (z.B. Ostukraine) Überflugverbot. Es gibt außerdem einige wenige Gebiete, deren Überflug kostenpflichtig ist ("Maut") wie z.B. Sibirien. Last but not least wird gerade geklärt, ob man die Liberalisierung des Luftverkehrsmarktes in Europa teilweise wieder zurücknimmt. In den 80ern und 90ern, als der Markt liberalisiert wurde, waren Fluggesellschaften wie British Airways, Air France und Lufthansa die größten Airlines. Mittlerweile ist Emirates mit Abstand der größte, und es bleibt abzuwarten, wann wir die ersten Emirates-Verbindungen innerhalb Europas zu Kampfpreisen erleben.
Übrigens hat die Antonov An-225 ihre vorgesehene Betriebszeit von 24000 Flugstunden in den fast 30 Jahren, die es sie jetzt schon gibt, noch nicht einmal zur Hälfte rum. Teilweise steht sie ein halbes Jahr ohne Einsatz in Kiew herum.

Zitat von wartenbes im Beitrag #15
- @FelixM: Ich hätte nicht gedacht, dass China Kohle importiert, hörte man doch in den vergangenen Jahren
viele Berichte über die miserablen Zustände in chinesischen Bergwerken und die von dort importierte 'Blutkohle'...


Die Chinesen bauen sehr viel Kohle im Inland ab, können aber ihren eigenen Bedarf damit nicht decken. Das extreme Wirtschaftswachstum der letzten Jahre war kein nachhaltiges, sondern basierte auf teils umweltschädlichen Produktionsmethoden. China ist an einigen Stellen von Dauersmog behaftet. Die chinesische Regierung hat bereits angefangen, den Schwerpunkt vom Weiterwachsen auf umweltverträglichere Produktionsmethoden zu verlagern, aber es gibt keine Anzeichen dafür, dass das zeitnah geschafft werden würde.

Viele Grüße
Felix

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FelixM Offline

BBF- und BBF-Wiki-Admin


Beiträge: 4.063

28.05.2016 14:46
#20 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

Hallo,

dem Thema Brexit hat sich gestern Abend auch die Satire-Sendung heute-show angenommen, u.a. auch mit einem Ortsbesuch in London. Ich habe mal den Video-Link herausgesucht, viel Vergnügen:
https://www.youtube.com/watch?v=N8B-QLLPJ6Q&t=32m40s

Viele Grüße
Felix

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wartenbes Offline



Beiträge: 344

29.05.2016 01:00
#21 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

Klasse !

Kind regards from Mainz

Sebastian

... but still i am a Kraut not for brexit


Markus Spandau Offline




Beiträge: 664

29.05.2016 14:12
#22 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

@ westhighlandline

Wenn ich allerdings höre und lese wie in der Schweiz teilweise Ausländer und Neubürger von oben herab behandelt werden, wie Banken sich prostituieren und generell die Wirtschaft wirtschaftet, dann teile ich die Euphorie für das System Schweiz überhaupt nicht. Wer eine PNOS hat, kann nicht so offen und international sein, wie er sich gern gibt.
Es kann auch nicht im Sinne der Demokratie sein jedes Mal 80 Mio zu befragen nur weil irgendwo eine Umgehnungsstrasse gebaut werden soll oder eine Bahnlinie elektrifiziert.
Es ist immer leicht auf andere zu zeigen wenn man selber nicht dazu gehört und sich dann noch für was besseres hält. Das geht mir beim von einigen Deutschen gepflegten Antiamerikanismus ebenso auf den Zeiger

@ Felix

Lustiger Link

Markus


AGBM Offline




Beiträge: 1.156

29.05.2016 20:52
#23 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

Zitat von Markus Spandau im Beitrag #22
Das geht mir beim von einigen Deutschen gepflegten Antiamerikanismus ebenso auf den Zeiger


Jedem geht was anderes auf den Zeiger lieber Markus ... allerdings finde ich, sollten wir aufhören, hier politisch zu diskutieren, ich finde gerade solche Aussagen können sogar beste Freunde auseinander bringen ...

Stellt euch vor 4 Modellbahner fröhnen zusammen ihrem Hobby ... sie verstehen sich super und alles ist perfekt.
Dabei ist einer bei der AFD, der andere ist Antiamerikanist, der dritte ein Linker und der vierte ein Kommunist, aber keiner weiß es vom anderen .. na und ?

Also, lassen wir lieber die Politik aus dem Spiel, einige Aussagen hier gehen mittlerweile ziemlich weit ...

Gruß
Bernhard


blackmoor_vale Offline

Administrator


Beiträge: 2.780

30.05.2016 10:45
#24 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

Ich finde Bernhards Worte sehr weise gesprochen und einen guten Abschluss für das Thema. Nun wieder zurück zum Hobby.

Beste Grüße (bin gerade auf dem Weg nach Schottland)
Torsten


FelixM Offline

BBF- und BBF-Wiki-Admin


Beiträge: 4.063

01.06.2016 18:12
#25 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

Hallo,

sorry, dass das Thema noch einmal hochkommt, aber neue Infos sind neue Infos.

Ein Journalismusinstitut von Reuters hat die Berichterstattung der britischen Medien analysiert hinsichtlich des Vorkommens des Brexits, die Studie ist nun veröffentlicht worden:
http://de.ejo-online.eu/internationales/...fuer-den-brexit

Viele Grüße
Felix

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––


AGBM Offline




Beiträge: 1.156

01.06.2016 19:19
#26 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

So wie ich es sehe, wird das wohl sehr knapp. Und gerade das finde ich bedauerlich, das war bei der Österreich-Präsidentenwahl so und beim Schottland-Referendum doch auch.
Ich finde es schade, dass immer mehr Dinge die Völker wirklich spalten. Früher gab es eine Mehrheit die für oder gegen etwas war und eben eine Minderheit.
Heute ist es wirklich immer knapp 50/50, d.h. aber auch, dass es auch im Volk eines Landes keine Mehrheit gibt, sondern eine Kluft die das Volk in zwei Lager spaltet.
Auch die Haltung in Deutschland pro/kontra Flüchtlinge hat unser Land doch fast gespalten. Man musste ja bei jedem überlegen, kann ich mit dem offen reden, oder ist der gegen die Flüchtlinge ...

Solche Abstimmungsergebnisse führen auch dazu dass die Kluft noch größer wird, weil einer der mit 49% verliert das als ungerecht empfindet.
Wenn man mit 30 % verliert, sagt man: Okay, die Mehrheit ist halt anderer Meinung, hab ich Pech gehabt.
Aber 51 % ist eigentlich nur noch mathematisch eine Mehrheit, nicht im Denken und Empfinden der Menschen. Das schürt den Hass und die Abneigung auf die jeweils andersdenkende Volksgruppe noch mehr.

Bin wirklich gespannt wo das noch alles hinführen wird.


Phil Online

Philtown-Branch


Beiträge: 1.368

01.06.2016 21:28
#27 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

Hallo, naja hier in Österreich sehe ich eigentlich keine "Spaltung", die wurde auch von den Medien ganz gut "herbeigeredet". Was ich sehe ist (oder besser: ich hörte "die Steine poltern"), dass wir mit dem neuen Bundespräsidenten grade noch mal die Kurve gekriegt haben, ohne dass das Ansehen des Landes auf internationaler Ebene nachhaltigen Schaden genommen hat. Es ging eigentlich um viel mehr: eine umfassende Regierungsumbildung ging der Stichwahl voraus und wir haben nun einen Bahnmanager als Bundeskanzler - dies ist aber auch die zugleich letzte (die allerletzte) Chance, um bislang aufgeschobene Reformen endlich auf den Weg zu bringen - die Frist läuft 2018 ab, dann sind Nationalratswahlen - wenn jetzt nicht Taten folgen, dann gibt es tatsächlich eine Spaltung, die ich mir (auch als Historiker) sicher nicht wünsche. Aber wie Torsten oben schon festgehalten hat - besser wieder zurück zum Hobby

Grüße, Phil


westhighlandline Offline




Beiträge: 515

08.06.2016 22:55
#28 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

@markus spandau:

Wenn ich allerdings höre und lese wie in der Schweiz teilweise Ausländer und Neubürger von oben herab behandelt werden, wie Banken sich prostituieren und generell die Wirtschaft wirtschaftet, dann teile ich die Euphorie für das System Schweiz überhaupt nicht.
Uff. Ok. Ich würde das gerne einfach mal so hinnehmen. Streiten bringt's nämlich nicht. Und da sind wir hier eh am falschen Ort für. Nur soviel:

Ausländer werden doch nicht von oben herab behandelt. Ich behaupte mal, dass zum Beispiel echte Flüchtlinge hier willkommener sind, als es anderswo der Fall ist (siehe Brandanschläge in Ostdeutschland z.B.). Und dass die Integrationskurse für Ausländer in der Schweiz einen erheblich grösseren Erfolg vorweisen können, als anderswo. Und falls du auf "Neubürger" aus dem "Grossen Kanton" (Deutschland) anspielst: das ist ein reines Mentalitätsproblem. Die militärisch-direkte deutsche Art kommt einfach nicht gut an in einem Land, in dem man aus Gepflogenheit um den heissen Brei redet und zum Beispiel sagt: "Dürfte ich bitte ein Brot haben?" statt "Ich krieg ein Brot." Es gibt da einen Witz. Kommt ein Deutscher in einen Spielwarenladen und sagt zur Verkäuferin: "Ich bekomme ein Geduldsspiel - aber ZACK ZACK."

Zu den Banken bliebe nur zu sagen, dass die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Dresdner Bank nun wirklich auch keine guten Beispiele abgegeben haben in den letzten Jahren. Und ich erwähne mal nicht, wer denen schlussendlich mit Milliardenbeträgen wieder auf die Beine geholfen hat... (Steuerzahler). Darüber müsste man abstimmen, ob das OK war!

Wer eine PNOS hat, kann nicht so offen und international sein, wie er sich gern gibt.
PNOS, PNOS ... warte mal ... die waren doch neulich mal wieder in den Medien ... nach x-Jahren ... wie Phoenix der Asche entstiegen ... aber auch nur im Schatten der ... wie heisst sie doch ... Auns. Auch schon ewig nichts mehr von gehört. Achja! Die haben die AfD-Petry eingeladen! Wollten sich sympathisieren! Aber die AfD ist ja nicht schweizerisch. Hm, wo kommt die her? Ach ja. Ich drehe den Spiess mal um: Wer eine AfD hat, kann nicht so offen und international sein, wie er sich gern gibt.

Es kann auch nicht im Sinne der Demokratie sein jedes Mal 80 Mio zu befragen nur weil irgendwo eine Umgehnungsstrasse gebaut werden soll oder eine Bahnlinie elektrifiziert.
Ich sage ja auch gar nicht, dass man jeden zu allem befragen muss. Aber wenigstens dort, wo es Sinn macht!

Beispiel 1: Umgehungsstrassen sind im Normalfall Sache des Kantons und der Gemeinden. Da muss man nicht das ganze Volk befragen, sondern die, die vor Ort leben und mit Abgasen und Stau klarkommen müssen. Sollte in Deutschland nicht anders sein. Genau über sowas sollte man abstimmen dürfen. Das ist Demokratie. Beispiel 2 (Steilvorlage): In der Schweiz sind 100% des normalspurigen Stammnetzes und 99% der Nebenbahnen elektrifiziert. Gucken wir mal 50km hinter die Grenze: 155 Kilometer nicht elektrifizierte Strecke zwischen Lindau am Bodensee und Geltendorf nahe München (internationale Bahnstrecke / KBS 970).

Ich bin mir sicher, dass die Allgäuer froh wären, wenn sie mit modernen, schnellen Elektrozügen fahren könnten und nicht ständig den Lärm der doppelt geführten BR 218 ertragen müssten. Wenn DIE über die Geldmittel hätten abstimmen können - die Strecke wäre in nullkommanix elektrifiziert. Ich muss jetzt sticheln, aber das ist lieb gemeint ... jetzt springt halt die Schweiz ein! Zitat Tagesanzeiger vom 05.06.2015: "Die Dieselloks bewältigen die Fahrt durch das Allgäu derart schleppend, dass Schweizer auf der Schiene bis nach München weit über vier Stunden brauchen – obschon die bayrische Metropole von Zürich in Luftlinie nur etwa 250 Kilometer entfernt ist. Seit über zwei Jahrzehnten schon drängt die Schweiz auf einen Ausbau und insbesondere die Elektrifizierung der Allgäubahn. Sie hat sich vor sechs Jahren sogar per Staatsvertrag verpflichtet, die Modernisierung der Strec­ke mit rund 50Millionen Franken zu unterstützen." No more to say.

Es ist immer leicht auf andere zu zeigen wenn man selber nicht dazu gehört und sich dann noch für was besseres hält.
Ich hoffe, das ging jetzt nicht gegen mich persönlich, denn sonst käme die rasante Retourkutsche in Form von: Ich wurde in Berlin Mitte geboren und habe meine Kindheit in SPANDAU genossen. *räusper* Da wäre jetzt ne fette Entschuldigung fällig! Bier auf deine Rechnung im Brauhaus Falkenseer Platz? So, und jetzt Ende Politik. Markus: Friede, Freude, Eierkuchen. Back to British Rail.


blackmoor_vale Offline

Administrator


Beiträge: 2.780

10.06.2016 06:45
#29 Schlußbeitrag Antworten

Hallo an alle,

ich habe mich bisher zurück gehalten.

Aber nun wird es zuviel. Hier tauchen Dinge auf, die nichts mit unserem Thema zu tun haben. Petry, PNOS, Allgäubahn und so weiter.
Soeben habe ich einen Beitrag von gestern Abend gelöscht, der meiner Meinung nach sehr unpassend war.

Und ich bin nah dran, den ganzen Thread zu löschen. Aber noch mache ich es nicht. Weil, einige haben da wirklich viel Arbeit hineingesteckt und sehr lange Beiträge mit durchaus interessanten Fakten geschrieben. Mir wäre es lieber, wenn die Beiträge zu echten britischen Bahnthemen auch die gleiche Leidenschaft und Ausführlichkeit hätten.

Darum, bitte wieder zurück zum Thema.

Beste Grüße

Torsten


Class150 Offline




Beiträge: 1.733

24.06.2016 07:04
#30 RE: Brexit: Hätte unser Hobby noch zukunft? Antworten

Hallo,

In genau diesem Moment ist die Entscheidung gefallen. Wir werden die Antwort auf die Ausgangsfrage bekommen. Laut BBC hat "Leave" die Linie der Mehrheit mit dem 374 von 382 ausgezählten Wahlbezirken überschritten.

Viele Grüße
Mirko

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Darganfyddwch Sir Frycheiniog ag Reilfford Dyffryn Wysg
Discover Brecknockshire on the Usk Valley Line


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