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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 321 mal aufgerufen
 Britische Lokomotiven und Triebwagen
Dean Single Offline




Beiträge: 242

26.11.2007 23:03
Bullied Pacifics bei der Southern Railway antworten

Hallo,

bei meinem Besuch der einzigartigen Anlage "Blackmoor Vale" auf der Modellbaumesse Bremen kam die Frage auf, was die Unterschiede zwischen den verschiedenen Klassen der Pacifics der Southern Railway von Oliver Bullied sind, das heißt die Unterschiede zwischen der Merchant Navy-, West Country- und Battle of Britain Class.
Vielleicht interessieren sich noch andere hier an dieser Frage oder können Informationen geben, weshalb ich das Thema hier im Forum vorbringen möchte.
Ich selbst hab in meinen Büchern recherchiert und folgendes gefunden:
Die Merchant Navy Class ("Handelsflotten-Klasse") erschien 1941. Die Lokomotiven waren nach britischen Handelsschiffen benannt.
Sie besaßen eine Reihe von Neuerungen, wovon die auffälligsten wohl die ziemlich kastenförmige Verkleidung und die Boxpok-Räder waren. Weniger sichtbar war der ungewöhnliche Kettenantrieb mit Ölbad für die Steuerung der Kolbenschieber und die Stahl-Feuerbüchse statt einer aus Kupfer sowie stärkerer Einsatz von Schweißverbindungen statt Nieten.

Mit den Erfahrungen baute man ab 1945 die West Country Klasse als eine leichtere Ausführung, die in den folgenden 5 Jahren auf insgesamt 110 Lokomotiven anwuchs. Die ersten 48 bekamen Namen mit Bezug zu westlichen Teilen des Landes, die folgenden Namen mit Bezug auf die Schlacht um England (Personen, Flugplätze und Flugstaffeln), daher auch der Name Battle of Britain Class. Technisch gab es keinen Unterschied zu den ersten 48.

Die Lokomotiven waren im Großen und Ganzen erfolgreich und leistungsfähig, jedoch zeigten sie an einigen Stellen Mängel, insbesondere der Kettenantrieb der Steuerung zeigte sich sehr anfällig und bewährte sich nicht im Alltagsbetrieb. Ihre Verbrauchswerte und ihre Herstellungskosten waren höher als bei vergleichbaren Lokomotiven anderer Bahngesellschaften (rund 17000 Pfund gegenüber ca. 10000 Pfund bei einer Castle der GWR).

Ab 1957 bis 1960 wurden 60 Stück überarbeitet (rebuilt), wobei man die Verkleidungen entfernte und den Kettenantrieb durch gewöhnliche Steuerungen ersetzte. In dieser Form zählte man sie zu den besten Lokomotiven, die je in Großbritannien fuhren.

(Quellen:
1. Deutsche Ausgabe "Handbuch der Lokomotiven" von Brian Hollingsworth und Arthur F. Cook (Originaltitel "The Great Book of Trains", Salamander Books Ltd. 1987

2. "The Pocket Encyclopedia of British Steam Locomotives in Colour" von O.S. Nock, Blandford Press Ltd. 1964, 3. Auflage 1968)

Ich vermute daraus, dass sich die drei Klassen, zumindestens in der verkleideten Form, rein äußerlich kaum unterschieden haben.

Vielleicht weiß ja hier aus dem Forum noch jemand mehr über dieses Thema.

Viele Grüße
Klaus-Dieter

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Aldwych Offline

the Rolling Bullett


Beiträge: 3.464

27.11.2007 16:33
#2 RE: Bullied Pacifics bei der Southern Railway antworten
bin zwar nicht der Dampflokexperte, aber ich weiß das Boxpok (Bulleid Firth Brown) Räder wohl ein "Standard" von Bulleid war.

Die West Country und Battle of Britain sind völlig Identische Maschinen! Gebaut von 1945 bis 1951.

Die Lokomotiven der BoB/WC wurden auch zu British Railways Zeiten gebaut - so sind 34000 bis 34070 Southern Region Locos und ab 34071 bis 34110 wurden diese bei British Railways gebaut und hatten nie die Southern Lackierung!

20 Lokomotiven gibt es noch (11 West Country und 9 Battle of Britain)

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zur Merchant Navy Class die von 1941 bis 1949 gebaut wurden - allerdings nur 30 Stück, von denen es noch 11 Lokomotiven gibt.

Die Merchant Navy Class war eine leichtere Lokomotive als die WC/ BoB! Zu Kriegszwecken leichter gebaut (vermutlich) so das diese uneingeschränkt überall fahren konnten!

mehr weiß ich jetzt allerdings nicht dazu!

Gruß

Dennis


Dean Single Offline




Beiträge: 242

27.11.2007 22:19
#3 RE: Bullied Pacifics bei der Southern Railway antworten

Hallo Dennis,

und danke für die weiteren Infos, insbesondere über die noch existierenden Loks. Allerdings bin ich etwas erstaunt darüber, dass die Merchant Navy Class leichter gewesen sein soll als die WC/ BoB-Class. Deine Vermutung, die leichtere Ausführung sei kriegsbedingt, leuchtet mir durchaus ein, doch nach meinen beiden Büchern wird dies umgekehrt geschildert, d.h. die Merchant Navy Class sei schwerer. Was ist denn nun richtig? Ich kann nicht beurteilen, wie zuverlässig meine Quellen sind und inwieweit womöglich da der eine vom anderen abgeschrieben hat. Vielleicht haben ja unsere britischen Forumsfreunde noch nähere Informationen und können hier weiterhelfen.

Gruß
Klaus-Dieter

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blackmoor_vale Online

Administrator


Beiträge: 2.080

27.11.2007 22:55
#4 RE: Bullied Pacifics bei der Southern Railway antworten
Die Frage, welcher Typ nun schwerer oder leichter war, ist wahrscheinlich nicht so leicht zu beantworten, denn es kommt noch einiges an Verwirrung hinzu:

-Gewichtsangabe von oder nach dem Umbau (Wechsel der Steuerung, Stromlinienverkleidung, Schornstein und anderes führte zur Gewichtveränderung)
- mit welchen Tendern waren die Loks betrieben ?

Nach meinem Buch "Classic British Steam Locomotives" von Peter Herring war die Merchant Navy mit Tendern von 5100 oder 6000 Gallonen verbunden und die Battle Of Britain/West Country Class wurden mit Tendern mit einem Fassungsinhalt von 4500, 5000 und 5500 Gallonen gekoppelt.
Das hat natürlich auch Auswirkungen auf des Gesamtgewicht.
Ich glaube, man sollte das reine Nettogewicht der Loks vergleichen, aber dazu hab ich auch noch nichts gefunden.

Beste Grüße

Torsten

seidi Offline



Beiträge: 58

28.11.2007 11:02
#5 RE: Bullied Pacifics bei der Southern Railway antworten

das schaut hier nach einer "as drawn, or as built" Frage aus


Aldwych Offline

the Rolling Bullett


Beiträge: 3.464

28.11.2007 15:56
#6 RE: Bullied Pacifics bei der Southern Railway antworten

man muss auch vergleichen zwischen das Gesamtgewicht und der Achslast, die ja auch komplett unterschiedlich sein kann!

Vermutlich hat die West Country / Battle of Britain eine höhere Achslast als die andere!

Gruß

Dennis


Dean Single Offline




Beiträge: 242

11.01.2008 20:03
#7 RE: Bullied Pacifics bei der Southern Railway antworten

Hallo Freunde,

in dieser Woche war mein englischer Modellbahnfreund anlässlich einer Feier zu einem Kurzbesuch bei seinem Sohn in Bremen und so hatte ich auch Gelegenheit, mit ihm ein wenig zu "fachsimpeln". Weil uns die Frage hier im Forum schon mal beschäftigt hat, fragte ich ihn zu den Unterschieden zwischen der Merchant Navy-, West Country- und Battle of Britain-Classe. Nach seiner Rückkehr nach Hause schickte er mir die folgenden Informationen, die ich hier im Original weitergeben möchte (Englisch dürfte ja für uns wohl kein Problem sein):

"I confirm that the Merchant Navy class was the heaviest. I checked three separate references.

The Merchant Navy class was the first to be built starting in 1941. 69'-8"long, Weight 97.9 tons. Driving wheels 6'-2". Cylinders 18" x 24". Boiler pressure 250 lb/sq inch. Tractive effort 33493 lbs. Built with streamilned casing (Spam cans) later removed.

The West Country class were intended to be a lighter version of the MN to give greater route availability. Length 67'-5". Weight 86 tons. Driving wheels 6'-2". Cylinders 16.375" x 24". Boiler pressure250 psi. Tractive effort 27720 lbs. The Battle of Britain class were the same as WC class. When rebuilt the weght increased to 90 tons. Built with streamlined casing later removed...."

Viele Grüße
Klaus-Dieter



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Aldwych Offline

the Rolling Bullett


Beiträge: 3.464

12.01.2008 07:28
#8 RE: Bullied Pacifics bei der Southern Railway antworten

Danke für die Antworten - also ist die "Handelsflotten" Klasse schwerer als die anderen!

Gruß

Dennis


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