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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 79 mal aufgerufen
 Spur O (7mm)
stefan Offline



Beiträge: 68

05.07.2026 15:15
Dapol/Lionheart Small Prairie Antworten

Hallo, Freunde der britischen Eisenbahnen!

Da bei mir temperaturbedingt das Basteln wieder etwas eingeschränkt ist (und mich der Bausatz der "County" zunehmend nervt), will ich heute, wie bereits schon mal angedeutet, über meine Veränderungen an der o.g. Lok berichten.

Eigentlich stand das Modell nicht auf meinem Beschaffungsplan, aber nachdem Modellbahn Union Restexemplare im Angebot hatte, und ich mir (naiverweise!) mal vorgenommen hatte, möglichst alle Loks, die ich in Aktion erlebt habe als Modell zu besitzen, schlug ich doch zu. Was mich bislang vom Kauf abhielt, war die sehr spielzeugmäßig silberglänzende Steuerung, die massiven Aufstiegstritte etc. Auch wird in verschiedenen Foren darauf hingewiesen, dass der Kessel nicht gerade auf dem Fahrwerk sitzt. Alle diese Punkte galt es zu beheben, daher die ursprüngliche Zurückhaltung.



Aber eins nach dem anderen:

In den erwähnten Foren heißt es, die Dampfeinströmrohre seien zu lang, und würden somit den Kessel nach oben bzw. den Umlauf nach unten drücken. Das konnte ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, und bin der Ursache auf den Grund gegangen. Das bedeutet zunächst mal, Lokgehäuse, Umlauf und Fahrwerk voneinander zu trennen (kein Problem). Und schon zeigte sich wie vermutet die eigentliche Ursache. Im Bereich des Rauchkammersattels ist auf dem Umlauf aus Zinkdruckguss zur Darstellung der Details ein Overlay aus Kunststoff aufgelegt. Dieses kann aber nicht plan aufliegen, da an seiner Unterseite die Auswerfermarken mit entsprechenden Spritzgraten zu sehen sind (leider kein Foto gemacht). Die sind schnell mit Skalpell und Schleifpapier entfernt - und schon liegt das ganze satt auf :-) Baustelle Nr.1 erledigt

An den vier Aufstiegstritten aus Zinkguss sind die jeweiligen Stufen sehr massiv ausgeführt. Um zumindest optisch einen vorbildgerechteren Eindruck zu erreichen, habe ich die Vorderkanten jeweils dünner gefeilt. Da ich sowieso teilweise neu lackieren musste war das verschmerzbar. Ich hoffe, die verbesserte Wirkung kommt in den Bildern rüber.



Nächster Punkt (und ich gebe zu da bin ich wirklich kleinlich): die Griffstange auf dem Kesselscheitel macht auf allen Bildern des Modells einen "Katzenbuckel" (ich entschuldige mich schon jetzt bei allen hier mitlesenden Zimmertigern!). Eigentlich wollte ich die Griffstange in den entsprechenden Haltern durch einer gerade ersetzen, habe aber erkennen müssen, dass das gesamte Teil, also Halter und Stange, aus einem Stück aus sehr flexiblem Kunststoff gespritzt sind. Okay, damit ist das Teil weniger bruchgefährdet, aber da die beiden Bohrungen für die Halter ein klein wenig zu dicht beieinander sitzen, biegt sich die Stange nach oben. ein wenig Bearbeitung der Haltezapfen und leichten Erweiterung der Bohrungen ist auch das Problem behoben (wenn es einen denn stört).

Als nächstes geht es an die Pufferbohle. Hier konnten mich die Kupplungen nicht überzeugen. Da ich aber zum damaligen Zeitpunkt keine besseren im Fundus hatte, musste ich mir anders Abhilfe schaffen. Üblicherweise werden bei GWR-Loks von den Personalen die Kupplungsbügel um 90° verdreht und in den Ruhehaken eingehängt, und dabei der Klöppel zum Drehen der Spindel im vorderen Bügel fixiert (hört sich kompliziert an, aber man findet dazu gute Fotos im Netz und in der Literatur). Im Modell ist die Spindel aber nicht drehbar, weshalb man die Bügel nicht um 90° zueinander verdrehen kann. Also die vorhandenen Zapfen abfeilen und quer dazu eine Bohrung setzen und aus einem Stückchen Draht die Zapfen für den Bügel einsetzen. Den Klöppel kann man nicht beweglich mache, der "darf" auch mal (auch vorbildgerecht) runterhängen. Nun kann die Kupplung in Ruheposition gebracht werden. Dazu muss man nur in einer Bohrung unter dem Puffer einen kleinen Haken aus Draht einsetzen. Ich mag garnicht kritisieren, dass dieser Haken nicht korrekt nachgebildet wurde, aber warum man den rudimentär mit an die Pufferbohle gespritzt hat, ist mir ein Rätsel. Hätte man in dem Fall besser weggelassen, so siehts besch...eiden aus (und macht nur Arbeit beim vorsichtigen abfeilen).
Den Bremsschlauch habe ich durch ein Stückchen Silikonschlauch, und die Heizkupplung komplett mit einem besser detaillierten Teil von 'CPL' ersetzt. So, jetzt können sich auch die Pufferbohlen sehen lassen.



Da ich die nicht nicht nummerierte Version erstanden hatte (ich wollte mein Modell ja als 4566 beschriften, die auf der Severn Valley Railway fährt) galt es, passende Schilder zu besorgen. Leider liefert 'Narrow Planet' wie so viele Hersteller nicht mehr in die EU, aber eine Anfrage bei 'Railtec Transfers' war erfolgreich. In deren Sortiment finden sich u.a. 3D-gedruckte Loknummernschilder Nasschiebebilder, die sich einfach aufbringen lassen, nicht mehr eingefärbt werden müssen und sehr feine Details, wie die Schraubennachbildungen haben. Auf Wunsch kann man dazu auch noch die passenden Loknummern für die Beschriftung der Pufferbohlen bekommen, dann muss man diese nicht mühsam (wie ich) diese aus einzelnen Ziffern zusammenpfrimeln.

Man muss das bisher Beschriebene nicht machen, und hält trotzdem ein tolles Modell mit exzellenten Fahreigenschaften in Händen. Was aber für mich ein großes Manko darstellt - und der Hauptgrund war, warum ich solange zögerte - ist die Farbgebung des Fahrwerkbereichs, insbesondere der Steuerung. Ich habe allerdings in RMweb, bei Western Thunder oder auch im GOG-Forum ermutigende Bilder gesehen, das zu ändern. Also Steuerung abbauen, soweit es geht. Das ist auf der Lokführerseite allerdings mit (für mich) überschaubarem Aufwand nicht komplett möglich. Nach dem Entfetten werden die teile dann entsprechend farblich behandelt, und zum Schluss sparsam mit den Farben aus dem Set "Engines Oil & Fuel" von 'AMMO' Akzente gesetzt.



ZUm Abschluss wir die Lok ganz dezent gealtert. Das, was in manchen Foren als vermeintlich realistische Alterung gezeigt wird, ist m.E. völlig übertrieben (Barry Scrapyard lässt grüßen). Insbesondere die Ruß- und Aschespuren auf und vor der Rauchkammer wirken meiner Meinung nach eher, als hätte dort jemand einen Sack Torf ausgeleert - aber egal, wem's gefällt...
Ich kann nur die Beiträge von Neil Podbery im Western Thunder Forum empfehlenen, das ist große Kunst (von der ich meilenweit entfernt bin)!



Sorry, das wurde jetzt doch länger als gedacht - aber so ging es mir mit dieser Lok auch. Ich hab immer noch was entdeckt, was man machen könnte - und wenn es nur die farbliche Anpassung der Kurbel der Handbremse oder des Handgriffs des Umsteuerhebels sei...

Ich wollte euch nicht langweilen und es sollte keine "Klugscheißerei" werden. Im Gegenteil, für diesen Preis so ein Modell zu erhalten, dass man nach seinen eigenen Vorstellungen noch individualisieren kann, ist schon toll!!!

Ich wünsche allen noch einen schönen Sommer. Einige von euch werde ich ja (hoffentlich) in Stafford treffen...

Stefan


TTR TRIX Offline



Beiträge: 284

06.07.2026 11:53
#2 RE: Dapol/Lionheart Small Prairie Antworten

Hallo Stefan ,

Danke für deinen detailierten Bericht über deine Arbeiten an deinem Modell . Das ist nicht selbstverständlich , kostet es doch auch Zeit diesen zu erstellen und oftmals gibt es kaum oder gar kein feedback für die "Mitarbeit" in Foren ...

Ich freu mich auch schon auf die Guildex dieses Jahr , die Unterkunftist schon gebucht .

Bezüglich der Prärie : Deine Steuerung ist farblich sehr gut gelungen . Bei der Alterung ist das immer auch Geschmacksache , ich habe schon stark gealterte Modelle gesehen , die wirklich sehr gut gemacht wurden ... , es waren aber alles "Late crest" Modelle aus der Endphase des BR Dampfbetriebes , wo man die Maschinen schon verkommen ließ...
In meinen , mittlerweile , nicht wenigen Bilderbüchern über die GWR , habe ich aber auch auf vielen Fotos der - 1930/40er Jahre gesehen , das gerade auch Branchline Maschinen scheinbar etwas seltener "geputzt" wurden und durchaus ordentlich Betriebsspuren aufwiesen .

Gruß aus den Midlands ,

Andy


stefan und blackmoor_vale haben sich bedankt!
stefan Offline



Beiträge: 68

06.07.2026 14:55
#3 RE: Dapol/Lionheart Small Prairie Antworten

Hallo Andy,

vielen Dank für die positive Rückmeldung. Ja, es ist schon Aufwand so einen Bericht zu schreiben, deshalb hat es auch eine Weile gedauert bis ich mich drangemacht habe.

Bitte versteh mich nicht falsch, ich habe gar nichts gegen stark gealterte Modelle. Im Gegenteil, eine heftig verwitterte 9F zum Ende ihrer Einsatzzeit fasziniert mich auch (und so eine hätte ich auch sehr gerne!). Aber es muss realistisch bleiben, und trotz der starken Alterungsspuren irgendwie "harmonisch" wirken (ich weiß nicht wie ich es anders ausdrücken soll). Und da gibt es halt viele Auswüchse die (mich persönlich) nicht überzeugen können.
Wie gesagt, positive Beispiele findet man ja: der schon genannte Neil Podbery oder auch Michiel Stolp (Becasse Weathering), der eine Large Prairie für mich exzellent gealtert hat.

Wir können in Stafford bei ein, zwei Pint gerne gemeinsam darüber sinnieren (wir haben im "Swan" gebucht).

Viele Grüße
Stefan


TTR TRIX und blackmoor_vale haben sich bedankt!
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