nein - hier geht es nicht um die preußische T 3, sondern um ein besonders gelungenes Exemplar einer typisch viktorianischen Schnellzugmaschine: die Adams T 3 class der London South Western Railways (LSWR). Diese wurde im Modell von Bachmann als Spur 00-Modell umgesetzt und unter dem Label EFE Rail herausgebracht. Ich habe mir die Ursprungsversion von 1890 gesichert und möchte das Modell kurz vorstellen.
LSWR Adams T 3 class no. 561. EFE Rail E85019.
Die Klasse T 3 steht in einer längeren Reihe der Entwicklung von 2‘ B – Schnellzuglokomotiven der LSWR. Der Chefkonstrukteur der LSWR, George Adams, entwarf die T 3 im Jahre 1892 als Variante der Klasse X 2 von 1890 mit kleineren Kuppelradsätzen. Diese weisen bei der T 3 einen Durchmesser von 2007 mm gegenüber 2159 mm bei der X 2 auf, da die T 3 auf der hügeligeren Strecke von Salisbury nach Exeter eingesetzt werden sollten. Der Kuppelachsstand wurde etwas verlängert, ansonsten handelt es sich bei der T 3 um eine klassische viktorianische Schnellzugmaschine der Bauart 2‘ B n2 (4-4-0 nach Whyte), Nassdampf-Zwillingstriebwerk mit einfacher Dampfdehnung, Außenzylindern und Innensteuerung der Bauart Stephenson.
Die LSWR-Werkstätten in Nine Elms bauten 1892/93 zwanzig Maschinen, die entgegen der ursprünglichen Absicht auch auf der flacheren Relation London-Bournemouth eingesetzt wurden. Die Maschinen bewährten sich gut. Nachdem die LSWR in den 1900er Jahren leistungsfähigere Maschinen wie die Drummond T 9 „Greyhound“ in Dienst gestellt hatte, wanderten die T 3 in den Personenzugdienst und wurden auf den Strecken westlich Exeter eingesetzt, wo sie sich sehr gut bewährten.
Von achtern.
In der Amalgamation 1923 gelangten alle 20 Maschinen mit der LSWR zur Southern Railway. Mit der Elektrifizierung der Strecken nach Bournemouth und Brighton in den 1920er und 1930er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die T 3 „arbeitslos“, so dass die Maschinen 1930-33 bis auf drei Stück ausgemustert wurden. Von diesen letzten drei wurden zwei im 2. Weltkrieg wieder in Betrieb genommen. Als letzte wurde T 3 no. 563 durch die Southern Railway im Jahre 1948 ausgemustert, aber museal erhalten. Zwischen 2017 und 2023 wurde sie aufwendig restauriert und in betriebsfähigen Zustand versetzt. Seitdem dampft sie auf der Swanage Railway munter vor sich hin.
Bachmann hat die Adams T 3 dieses Jahr neu konstruiert und bietet die Modelle unter dem Label EFE Rail an. Bei den Varianten bleibt kaum ein Wunsch offen: LSWR Adam green aus den 1890ern, Drummond green aus den 1900ern, Urie green ab 1912, zwei Southern-Maschinen in Maunsell green und natürlich die 563 im aktuellen Museumszustand. Die hier vorgestellte Variante in Adams green mit dem aufwändigen LSWR-Emblem auf den Radkästen und ohne Coke Rails am Tender hat es mir angetan - es ist die Ursprungsvariante. In dem Zustand dürften die Maschinen bis etwa 1905 gefahren sein.
Im Profil.
Die T 3 ist ausgesprochen aufwändig gestaltet und technisch solide durchkonstruiert. Das Modell besteht teilweise aus Metall. Fahrwerk, Kessel und Umlaufbleche des 286 g schweren Modells sind aus Metall, Führerhaus und Tendergehäuse sind aus Kunststoff. Der 5-polige Motor mit Schwungmasse wirkt über ein Schneckengetriebe auf die hintere Kuppelachse direkt, die vordere Kuppelachse wird über die Kuppelstangen mitgenommen. Die Stromaufnahme erfolgt über Radstromkontakte der Kuppelräder und über die Achsspitzen der Tenderradsätze. An der Fahrwerkskonstruktion zeigt sich, dass Bachmann solche zweifach gekuppelten, relativ kleinen Schnellzugloks aus dem 19. Jahrhundert nicht zum ersten Mal konstruiert, siehe Midland 2P, LNWR Improved Precedent class, die LNER C 1 und Ivatt Atlantics etc.
Im Unterschied zu anderen britischen Dampflokmodellen weist die Bachmann – äh EFE Rail - T 3 sowohl eine kulissengeführte Kupplungsaufnahme am Tender als auch eine kulissengeführte Lok-Tender-Kupplung mit integrierter Leitungsführung auf. Na also! Geht doch!
Darüber hinaus liegt dem Modell ein Treibradsatz mit Haftreifen zur Selbstmontage bei Bedarf bei. Ab Werk sind keine Haftreifen montiert.
Man beachte den schlanken Kessel und die typischen Radkästen.
Die Adams T 3 verfügt über eine Next18-Schnittstelle nach NEM 662 im Tender und das inzwischen obligatorische Feuerbüchsenflackern. Spitzenbeleuchtung ist leider nicht verfügbar – dafür liegen dem Modell farblich fertig behandelte Signaltafeln aus Neusilber-Ätzblech bei.
Das Fahrwerk mit seinen filigranen, mehrfach bedruckten feinen Metallradsätzen, filigranen Leitungen und dem aufwändig bedruckten Fahrgestell ist eine echte Augenweide!
Das Modell ist ausgesprochen detailliert und filigran. Die Lackierung ist einwandfrei seidenmatt in Adams green gehalten, Farbunterschiede zwischen Metall- und Kunststoffteilen bestehen nicht. Die aufwändige Bedruckung der mehrfarbigen Zierlinien und Embleme ist akkurat und ausgesprochen genau. Griffstangen und Leitungen sind sehr filigran und separat angesetzt. Die Schienenräumer vorne liegen zur Selbstmontage bei. Den Grund habe ich nicht verstanden - das Modell läuft mit sauber montierten Schienenräumern auch in engeren Radien (420 mm noch nicht getestet).
Der Führerstand ist bis zum Fußboden komplett offen und farblich durchgestaltet.
Die Betriebsnummernschilder bestehen aus Messing-Ätzteilen, die farblich fix & fertig behandelt beiliegen.
Fahreigenschaften
Das Modell läuft hervorragend, leise, ruhig und vor allem taumelfrei. Analog läuft der Motor bei sehr geringer Spannung an, startet aber mit etwas höherer Geschwindigkeit als Kriechtempo. Digital vernünftig angesteuert hingegen kriecht das Modell sehr langsam und beharrlich. Die Stromabnahmebasis mit Kuppel- und Tenderachsen ist offensichtlich lang genug für eine sichere Stromaufnahme. Der Mindestradius beträgt UK-typisch nominal 438 mm.
Digitalisierung
Meine T 3 no. 561 läuft mit einem Zimo MX618N18-Fahrdecoder. Die DSS befindet sich im Tender, das Tendergehäuse wird durch sechs kleine Schrauben auf der Unterseite des Tenderfahrwerks gehalten. Eigentlich hatte ich den Zimo-Decoder nur genommen, um das Feuerbüchsenlicht zum Flackern zu bekommen, aber das ist gar nicht nötig – das Modell hat offensichtlich eine entsprechende Schaltung auf der Platine. Jedenfalls brauchte nichts eingestellt zu werden, die Feuerbüchsenbeleuchtung liegt auf AUX 1 und flackert mit default-Werten. Das erklärt auch, warum es auch analog bereits flackert.
Zeitlose Eleganz in der Formensprache des späten 19. Jahrhunderts.
Fazit
Die Adams T 3 ist ein sehr attraktives Modell dieser klassisch-viktorianischen Schnellzugmaschine geworden – mit hervorragenden Laufeigenschaften und technisch auf der Höhe der Zeit. Ein Modell, dass laufen möchte und bereits ohne Haftreifen über ausreichend Traktion für zeitgenössische Zuggarnituren – 3- 5 Vierachser - verfügt.