Aus dem schier unerschöpflichen Arsenal kleiner Tenderloks der Great Western stelle ich hier das neu erschienene Dapol-Modell der leichten Nebenbahn-Tenderlok der Klasse 517 vor. Dies ist die Vorgängerin der Klasse 48XX im Einsatz mit Autocoaches auf Nebenbahnen.
GWR 517 class no. 1159. Dapol 4S-517-005S.
Bei den Maschinen der Klasse 517 handelt es sich um leichte Personenzug-Tenderloks für den Einsatz auf Nebenbahnen, die die GWR bereits ab 1868 beschaffte und im Laufe ihrer langen Einsatzzeit reichlich umbaute und modernisierte. Die 517 class sind also richtige Oldies. Konstruiert von George Armstrong wurden 1868 bis 1885 insgesamt 156 Maschinen in Dienst gestellt. Die B 1‘ n2-Nassdampfmaschinen mit Innenzylindern verfügten über eine innenliegende Stephenson-Steuerung und Kuppelräder mit 1524 oder 1575 mm Durchmesser. Die ersten Serien wiesen einen kurzen Radstand von 4,14 m auf, der mit jeder Serie wuchs und nach Umbau der älteren Serien bis etwa 1895 bei 4,72 m lag. Mit Einführung der Autocoaches – Wendezugsteuerwagen nach deutscher Terminologie - ab 1904 wurde etwa die Hälfte der Maschinen mit einer Wendezugsteuerung ausgerüstet. Fortan prägten die kleinen 517er mit Autocoaches bis in die Dreißiger Jahre das Bild der ländlichen Bimmelbahn im Westen von England und Wales. Die nicht mit Wendezugsteuerung ausgerüsteten Maschinen wurden im leichten Rangierdienst eingesetzt.
GWR 517 no. 1159 mit Autocoach – ein Klassiker…
Im Laufe der Zeit wurden die ursprünglich offenen Führerhäuser geschlossen, Kohlenkästen und Wasservorräte vergrößert, modernere Kessel verwendet usw., so dass sich das Erscheinungsbild der Maschinen über die Jahrzehnte veränderte. Mit Einführung der Nachfolgetype 48XX und den ebenfalls wendezugtauglichen Panniers der Klassen 54XX und 64XX ab 1932 wurden die 517 zunehmend ausgemustert. Die letzte „erwischte“ es 1947, zur BR gelangte also keine mehr. Und leider ist auch keine erhalten.
Schräg von achtern – hier sieht man das nachträglich geschlossene Führerhaus mal deutlich.
Modell
Das Modell ist eine aktuelle Neukonstruktion. Dapol hat sich bei den Varianten wirklich Mühe gegeben und bietet zahlreiche Varianten mit langem Radstand, also ab den 1890er Jahren, mit unterschiedlichen Führerhäusern, Wasserkästen, Schloten usw. an. Die hier vorgestellte Variante mit der 1875 gebauten no. 1159 verfügt bereits über ein geschlossenes Führerhaus und einen erhöhten Kohlenkasten sowie über den Great Western-Schriftzug („Great Western“ lettering). So stellt es eine Vorbildmaschine ab Anfang/Mitte der 1920er Jahre bis etwa 1934 dar.
Im Profil.
Das Modell ist aufwendig gemacht und besteht überwiegend aus Metall. Fahrwerk, Kessel, und Kohlenkasten des 174 g schweren Modells sind aus Metall, lediglich Führerhaus und Wasserkästen sind aus Kunststoff. Der eisenlose Motor treibt über ein Schneckengetriebe die hintere Kuppelachse direkt an, die vordere Kuppelachse wird über die Kuppelstangen mitgenommen. Die angetriebene Achse ist gefedert (!). Die Stromaufnahme erfolgt über Radstromkontakte aller Räder. Dadurch – und durch die Federung des Fahrwerks ist die Stromaufnahme hervorragend.
“NEM“-Kupplungsaufnahmen mit eingepassten Roco-KK, befestigt mittels Splint. Die Kupplungsaufnahmen sind – na ja – nach „NEM“, nur viel kürzer. Normkonforme NEM-Kupplungen wie die KKs von Roco oder Hornby rutschen vor und zurück. Was Dapol sich dabei gedacht hat, bleibt deren Geheimnis. Natürlich sind die Kupplungsaufnahmen nicht kulissengeführt...
Das Modell verfügt über eine Next18-Schnittstelle nach NEM 662 und einen wirksamen Pufferspeicher (jawoll!). Darüber hinaus ist der Decodertausch durch die Dapol-eigene Plug-in Mechanik im Kessel durch die Rauchkammertür sehr einfach durchführbar. Stirnbeleuchtung ist Briten-typisch leider nicht vorhanden, aber Feuerbüchsenflackern.
Das Modell ist ausgesprochen detailliert und filigran. Die Lackierung ist einwandfrei seidenmatt in Brunswick green gehalten, Farbunterschiede zwischen Metall- und Kunststoffteilen bestehen nicht. Griffstangen und Leitungen bestehen fast komplett aus Metall, sind sehr fein und separat angesetzt. Die Radsätze bestehen aus filigranen Metall-Speichenrädern, die Kuppelstangen sind aus dunkel eloxiertem Metall.
Der Führerstand ist bis zum Fußboden komplett offen und farblich durchgestaltet.
Dem Modell liegen Betriebsnummernschilder aus Messing-Ätzteilen bei, die bereits farblich fertig behandelt und poliert sind. Die habe ich natürlich fix angebracht.
Fahreigenschaften
Aufgrund der sehr guten Stromaufnahme Die Fahreigenschaften der 517 class hat Dapol sehr gut hinbekommen. Bereits mit den Werkseinstellungen kriecht das Modell ohne jegliche Aussetzer über die Gleise und durch Weichenstraßen. Der Motor ist bereits analog gut untersetzt, was sich bei höheren Geschwindigkeiten in leichtem Surren des Antriebs bemerkbar macht. Der Mindestradius beträgt nominal 438 mm, 415/420 mm gehen aber auch.
Sound
Die Soundvarianten der 517 class sind mit dem brandneuen Zimo MS591N18 ausgerüstet. Dieser sorgt in Verbindung mit dem verbauten Rechteck-Lautsprecher für einen ausgesprochen kräftigen Klang.
Fazit
Die kleine 517 class ist ein wunderbar gelungenes, sehr gut laufendes Modell mit sattem Sound geworden.
Es ist immer ein Erlebnis, deine gründlichen und aussagekräftigen Vorstellungen zu lesen. Da steckt viel Arbeit dahinter. Wer schonmal solche Vorstellungen geschrieben hat, kann das einschätzen. Das ist nicht in einer halben Stunde erledigt.