Autocoaches der Great Western symbolisieren im Vereinigten Königreich die beschauliche Nebenbahn im ländlichen (Südwest-) England. Dabei war das Konzept bei Einführung 1904 alles andere als rückständig: Bei Autocoaches handelt es sich um 4-achsige Großraumwagen mit Führerstand und Wendezugsteuerung, die mit einer für entsprechend ausgerüsteten Tenderlokomotive als Wendezug eingesetzt wurden. So entfiel das Umsetzen der Lok in kleinen Endbahnhöfen. Für das Jahr 1904 ist das geradezu revolutionär.
Nachdem in Spur 00 als Großserienmodell der Vorkriegsbauarten jahrzehntelang nur einer bestimmten Zeichnung angenäherte Autocoaches, letztlich aus Airfix-Formen der Sechziger Jahre verfügbar waren, war die Ankündigung der Umsetzung eines Modell nach Zeichnung N von Dapol um so bemerkenswerter. Daher war ich auf das hier vorgestellte Modell sehr gespannt.
GWR Autocoach no. 40 nach diagram N. Dapol 4P-004-002.
Die GWR - und ihr nachfolgend die BR - beschaffte Autocoaches nach unterschiedlichen, stets weiterentwickelten Zeichnungen zwischen 1904 und 1953. Mit den Autocoaches nach diagram N aus dem Jahre 1906 hat Dapol sich eine recht frühe Serie herausgegriffen, die auch als „echtes“ Epoche I – Modell, also vor dem 1. Weltkrieg, einsetzbar ist. Die sechs Wagen nach dieser Zeichnung wurden von George Jackson Churchward konstruiert, 1907 abgeliefert und waren bis 1957 im Einsatz. Einer der Wagen hat überlebt und befindet sich derzeit bei der Telford Steam Railway, bedarf jedoch vollständiger Restaurierung.
Die Wagen wiesen eine Länge von 18,17 m auf und liefen auf 8 Fuß-Drehgestellen. An einem Wagenende befand sich der Führerstand, an dem anderen ein Gepäckabteil. Die beiden Großraumabteile waren nicht klassifiziert, sondern das kleinere ist das Raucher- und das größere das Nichtraucherabteil. Die Aufteilung der Raucher- und Nichtraucherabteile wurde 1929/30 umgekehrt.
Typische Autocoach-Garnitur der 1920er Jahre mit 517 class (Modell ebenfalls von Dapol).
Autocoaches wurden bei der GWR als Wendezüge auf Nebenbahnen eingesetzt, in der Regel mit entsprechend für Wendezugbetrieb („auto-fitted“) ausgerüsteten Tenderlokomotiven der Bauart B 1‘ der Klassen 517 und später 48XX (ab 1946: 14XX), den C-Kupplern der Pannier-Klassen 54XX und 64XX sowie einigen „Small Prairies“ der Klasse 45XX. Gelegentlich wurden Autocoaches auch ohne Verwendung der Wendezugeinrichtung mit „normalen“ Panniers der Klassen 57XX und 8750 eingesetzt.
Profil.
Dapol bietet die Autocoaches in zahlreichen Varianten der eras 2-5 an. Ich stelle hier die Ausführung in chocolate/cream mit hellem Dach und „Garter Crest“-Emblem vor, das den Zeitraum 1922-27 repräsentiert.
Das Modell ist ausgesprochen fein detailliert. Die Lackierung ist hervorragend Farbtrennkanten scharf, die Bedruckung – insbesondere der Paneele im Fensterband - lupenrein. Glasklare Fenstereinsätze, separat angesetzte Griffstangen und ein sehr detailliert nachgebildeter Wagenboden sprechen für sich. Die Wagen weisen serienmäßig LED-Innenbeleuchtung auf, die Stromabnahme erfolgt über die die Räder der Halbachsen. Die Wagen sind analog, mit Funktionsdecoder und auch mit Sounddecoder (!) verfügbar. In der hier vorgestellten Analogvariante leuchtet die Beleuchtung permanent, und eine mit der Fahrtrichtung wechselnde Spitzenbeleuchtung wäre ein Träumchen. Dafür ist das Einsetzen eines Funktionsdecoders easy – das Modell verfügt über eine Next18-Schnittstelle
Lokseitiges Abteil mit Gepäckabteil.
Die Wagen sind mit kulissengeführten „NEM“-Kupplungsschächten ausgestattet, die hier auch tatsächlich mal der Norm entspricht.
Das Modell ist ein Träumchen geworden. Mit einer 517 oder 48XX class macht der Autocoach eine sehr gute Figur und dampf gemütlich durch die Landschaft. Mich freut insbesondere, dass mit diesem Typ auch Züge aus der Zeit 1907-28 darstellbar sind.
die Wild-Swan-Bücher sind toll, aber äußerst teuer.
Der Diagram N Autocoach ist insofern besonders, weil er das erste Großserienmodell eines Autocoaches darstellt, der explizit für den Beiwagenbetrieb mit Dampftriebwagen gebaut wurde. Spätere Autocoaches entstanden oft, indem die Dampftriebwagen selbst zu Beiwagen umgebaut wurden.