Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 223 mal aufgerufen
 Modellvorstellungen
Guardian Offline



Beiträge: 123

17.12.2025 18:57
Dapol Black Label Gresley LNER A 4 class Antworten

Rails of Sheffield/Dapol Black Label Gresley LNER A 4 class


Die Stromlinien-Schnellzugloks der Klasse A 4 sind legendär und stellen mit der no. 4468 „Mallard“ die Weltrekordhalterin für Geschwindigkeit bei Dampflokomotiven. Vor einigen Jahren stellte Rails of Sheffield in Kooperation mit Dapol ein neukonstruiertes Modell dieser Maschine vor, das über sehr gutes Aussehen hinaus im Betrieb sehr solide zu sein versprach. Nachdem das Modell dieses Jahr als „Black Label“ wieder aufgelegt wurde, habe ich mir die „Peregrine“ (dt.: Wanderfalke) gegönnt, den ich mal kurz vorstelle.


LNER A 4 class no. 4903 “Peregrine”. Dapol BL-01-015.

Inspiriert vom „Fliegenden Hamburger“ der Reichsbahn, den der Chefkonstrukteur der LNER, Sir Nigel Gresley, im Jahre 1933 sah, entwickelte er die Idee, eine Schnellzugdampflok stromlinienförmig zu verkleiden. So entstand 1935 nach Versuchen mit der Lok „Papyrus“ der Klasse A 3 eine stromlinienverkleidete Variante der Klasse A 3, deren erste noch im selben Jahr ausgeliefert wurde. Die A 4 ist wie die A 3 eine Pacific mit einem Treib-Kuppelraddurchmesser von 2,03 m – also eigentlich nix ungewöhnliches. Die Maschinen hatten Hochleistungskessel mit einem Druck von ca. 17 bar und Dreizylinder-Triebwerke mit Walschaert- (=Heusinger-) Außensteuerung und Gresleys eigener Innensteuerung. Gegenüber dem Kessel der A 3 waren die Dampfwege optimiert und eine Verbrennungskammer installiert worden. So kamen die Maschinen auf reguläre Leistungen um 2.200 PS, in der Spitze auf ca. 2.450 PS.

Zwischen 1935 und 1938 wurden 35 dieser Maschinen gebaut, die bis zum Kriegsbeginn zahlreiche britische und internationale Rekorde brachen. 1936 schraubte 2509 „Silver Link“ die britischen Geschwindigkeitsrekord auf 181 km/h. 1938 erhielt 4468 „Mallard“ eine Kylchap-Doppel-Saugzuganlage. Derart getunt brach sie kurz darauf, im Juli 1938, den Geschwindigkeits-Weltrekord für Dampfloks mit 202,8 km/h, der immer noch gültig ist. Die letzten drei A 4 – Maschinen erhielten die Kylchap-Doppel-Saugzuganlage gleich ab Werk. Eine davon ist 4903 „Peregrine“.

Im regulären Dienst wurden die A 4 vor hochwertigen Schnellzügen eingesetzt und für 140 km/h zugelassen. Die ersten vier Loks erhielten einen silbergrauen Anstrich für den Einsatz für den neu geschaffenen „Silver Jubilee“ London – Newcastle mit strömungsoptimierten und ebenfalls silbergrauen Wagen. Danach kamen sie vor jedem namhaften Schnellzug auf der East Coast Main Line zum Einsatz.

1942 schied eine Maschine nach Bombenschaden aus; alle anderen gelangten 1948 zu den British Railways. Die Einsätze glichen denen der Vorkriegszeit. Erst mit der Einführung der Dieselloks der class 55 „Deltic“ im Jahre 1961 stand eine leistungsmäßig überlegene Maschine zur Verfügung, so dass der Stern der A 4 zu sinken begann. Im Jahre 1966 wurden die letzten ausgemustert. Allerdings sind sage und schreibe sechs Maschinen erhalten. Betriebsbereit ist derzeit wohl nur 60007 „Sir Nigel Gresley“ und 4464 „Bittern“ ist in der Aufarbeitung.


“Peregrine“ im fahlen Winterlichte...




Modell

Die Wiederauflage der Dapol A 4 wurden nach kurzer Ankündigung durch Rails of Sheffield seit Herbst dieses Jahres ausgeliefert. Das Modell ist in zahlreichen Farbvarianten der Epochen II (LNER), III (BR) und VI (Museum), mit verkleidetem und unverkleidetem Triebwerk, erhältlich. In technischer Hinsicht gibt es nur eine Ausführung in Vollausstattung mit Sound und Dampf.

Ich habe mich für die 4903 „Peregrine“ der LNER in garter blue entschieden. Die Farbe ähnelt frappierend dem zeitgenössischen Blau der Bugattis. „Peregrine“ ist die letztgebaute A 4, die 1938 mit der Fabriknummer 1877 in den Doncaster Works gebaut wurde und ab Werk mit einer Kylchap-Doppelsaugzuganlage ausgerüstet war. 1942 erhielt sie ein schwarzes Kriegskleid. 1946 wurde sie in no. 34 umgenummert und 1947 wieder in garter blue lackiert, allerdings nun mit freigeschnittenem Treibwerk. Bei der Verstaatlichung 1948 erhielt sie die BR-Nummer 60034 und wurde im selben Jahr in „Lord Farringdon“ umbenannt. 1966 schied sie aus dem Dienst aus. Die hier gewählte Farbgebung und Ausführung stellt also den Zeitraum 1938-42 dar.



Profilansichten.

Das Modell besteht komplett aus Metall und bringt 654 g auf die Waage, allein 473 g die Lok. Lediglich einige Anbauteile bestehen aus Kunststoff. Die Radsätze sind aus feinem Metallguss, Treib- und Kuppelstangen sind aus dunkel eloxiertem Metall. Der Antrieb erfolgt durch einen 5-poligen Motor mit Schwungmasse im Kessel, der über ein Schneckengetriebe die letzte Kuppelachse direkt antreibt. Treib- und Kuppelachsen werden über die Kuppelstangen mitgenommen; die Treibachse ist gefedert. Die Stromaufnahme erfolgt über die Treib- und Kuppelachsen der Lok sowie die Tenderachsen. Die Lok-Tender-Verbindung erfolgt über die von Dapol bekannte, leicht rastende Steckverbindung, die zusammengesteckt eine starre, kulissengeführte Lok-Tender-Deichsel ergibt. Vorbildliche Konstruktion. Am Tender ist eine NEM-Kupplungsaufnahme vorhanden, die leider nicht kulissengeführt ist. Noch ungewöhnlich für ein britisches Dampflokmodell ist die Spitzenbeleuchtung, die Feuerbüchsenbeleuchtung ist hingegen Standard.


Verpackung mit Dampföl-Destillaten, Zurüst- und Austauschteilen.

Das in der Modellumsetzung problematische Cartazzi-Außengestell der Nachlaufachse hat Dapol sehr gut gelöst: standardmäßig ist das Drehgestell beweglich gelagert montiert und kommt so auch durch Radien mit 420 mm. Im Lieferumfang enthalten ist jedoch ein weiteres Drehgestell zur festen Montage für die Vitrine. Die Konkurrenz bietet hier ein zwar vorbildgerecht feststehendes Gestell, mit dem sich jedoch unter Verwendung eines Radsatzes ohne Spurkränze modellbahntypische Radien durchfahren lassen – was auf Weichen mit Herzstückpolarisierung zu kleinen Kurzschlüssen führen kann. Auch hinsichtlich der Traktion hat man sich Gedanken gemacht: da sich die Briten mit jeglicher Art von Haftreifen schwertun, ist der direkt angetriebene Radsatz ohne Haftreifen (ohne Nut natürlich) montiert. Ein Radsatz mit Haftreifen liegt dem Modell bei.

Das Modell mit einer 21-poligen Schnittstelle nach NEM 660 ausgerüstet. In dieser steckt ein Zimo MS 440 Sounddecoder. Für gute Vertonung ist gesorgt – das Modell weist zwei Lautsprecher auf, einen in der Lok sowie einen im Tender. Darüber hinaus ist das Modell ab Werk mit einem Rauchgenerator ausgestattet, der über F 20 angesteuert wird.


Heizerseite.

Die A 4 ist ausgesprochen detailliert umgesetzt, sämtliche der wenigen Leitungen und Haltegriffe sind separat angesetzt und sehr filigran. Das Führerhaus ist komplett durchgestaltet. Das garter blue ist sehr satt und gut getroffen, die Lackierung ist einwandfrei. Das Fahrwerk – Räder aus feinem Metallguss und Gestänge aus Metall mit farblich perfekt abgestimmten Kunststoffteilen – ist sehr überzeugend umgesetzt.




Fahreigenschaften

Mein Wanderfalke fuhr direkt aus der Packung ohne Einschränkungen einwandfrei und äußerst smooth. Die Kriecheigenschaften sind hervorragend, der Zimo-Decoder steuert den Motor vorbildlich. Auch bei hohen Geschwindigkeiten (die A 4 waren schon Renner bis 180 km/h!) bleibt das Motorgeräusch sehr leise. Das Modell liegt satt im Gleis, ohne dass irgendein Radsatz eiert oder etwas wackelt. Die Höchstgeschwindigkeit des Modells orientiert sich eher an 140 km/h als an den im Original gefahrenen Rekordgeschwindigkeiten. Die Zugkraft reicht für meine eingesetzten Züge aus sechs Wagen mit Beleuchtung auch ohne Haftreifen in leichter Steigung aus. Die Stromabnahme ist erwartungsgemäß sehr gut, die A 4 kriecht bei Bedarf im Schneckentempo durch Weichenstraßen.




Sound

Der Sound – ein Zimo MS440 mit zwei Lautsprechern - führt zu sehr hohen Erwartungen. Das Soundprojekt ist up-to-date mit Leerlauf, Verstummen der Dampfschläge bei Zurückdrehen des Reglers usw. Es ist ab Werk für Zimo-Verhältnisse ungewöhnlich laut (hat da jemand nicht bedacht, dass zwei 8 Ω parallel geschaltet 4 Ω am Ausgang ergeben?). Insgesamt könnte der Sound bei dem vorhandenen Platzangebot etwas kräftiger im Bass sein.


Fokus auf die Lok. Die Namensschilder liegen als Messing-Ätzschilder fix & fertig bei.




Fazit

Die Black Label A 4 ist ein wunderbares, aus dem Vollen geschnitztes Modell geworden, dass den Originalmaschinen ein würdiges Denkmal setzt. Aufgrund der hervorragenden Fahreigenschaften absolut anlagentauglich, bei Bedarf mit montiertem Haftreifenradsatz auch für längere Garnituren in der Steigung. So wollen wir das. Nur beim Sound könnte man bei dem Setup mehr herausholen.

Jetzt würde ich mir nur noch eine A 1/A 3 in vergleichbarer Qualität wünschen…

Beste Grüße
Mark


TTR TRIX, FelixM, Dobna, blackmoor_vale, stefan, Knockando und Frank.S haben sich bedankt!
Irish Fan Offline




Beiträge: 1.257

17.12.2025 20:47
#2 RE: Dapol Black Label Gresley LNER A 4 class Antworten

Tolle Lok,danke fürs vorstellen. Leider habe ich keine Anlage für so einen Renner.
Gruß aus dem Hunsrück.

Andreas


blackmoor_vale Offline

Administrator


Beiträge: 3.205

22.12.2025 21:22
#3 RE: Dapol Black Label Gresley LNER A 4 class Antworten

Danke für die ausführliche Vorstellung. Lese ich richtig heraus, dass das Lokgehäuse aus Metallguss ist?

Und aus was ist das Tendergehäuse? Metall oder Kunststoff?

Beste GrĂĽsse, Torsten


FelixM und TTR TRIX haben sich bedankt!
Guardian Offline



Beiträge: 123

24.12.2025 14:20
#4 RE: Dapol Black Label Gresley LNER A 4 class Antworten

Moin Thorsten,

alles Metall...

Merry Christmas
Mark


TTR TRIX hat sich bedankt!
blackmoor_vale Offline

Administrator


Beiträge: 3.205

27.12.2025 21:45
#5 RE: Dapol Black Label Gresley LNER A 4 class Antworten

Das ist schön, dass Dapol die Lok komplett aus Metall und damit schwer gemacht hat. Kommt der Zugkraoft und Gleislage zugute. Warum das nicht mit allen OO-Lokmodellen so gemacht wird?
Was ist der Grund, Kosten oder die technische Umsetzbarkeit?

Die erste OO-A4 von Hornby Dublo aus dem Jahr 1938 war auch komplett aus Metall. AuĂźer der Tenderaufsatz mit der nachgebildeten Kohlenladung, der war damals schon aus Bakelit-Kunststoff.
Unten ein Bild aus dem Katalog 1939/40.

Beste GrĂĽsse, Torsten


wartenbes hat sich bedankt!
Ă„hnliche Themen Antworten Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Hornby R 3992 , LNER Class A4 , "Commonwealth Of Australia ...
Erstellt im Forum Modellvorstellungen von TTR TRIX
2 27.07.2024 12:02
von Frank.S • Zugriffe: 310
Hornby LNER Class A1 "Hermit"
Erstellt im Forum Modellvorstellungen von Frank.S
0 01.02.2024 10:51
von Frank.S • Zugriffe: 282
Rails of Sheffield/Dapol SR Maunsell D 1 class
Erstellt im Forum Modellvorstellungen von Guardian
1 27.04.2024 07:12
von TTR TRIX • Zugriffe: 380
Dapol GWR 51XX "Large Prairie" class
Erstellt im Forum Modellvorstellungen von Guardian
3 08.01.2022 11:53
von Frank.S • Zugriffe: 655
Dapol GWR 5101 und 6100 Class 2-6-2T und 4300 Class 2-6-0
Erstellt im Forum Spur OO von FelixM
1 01.01.2018 14:44
von blackmoor_vale • Zugriffe: 741
Frage zu Dapol/C&M Models Scotrail Class 156
Erstellt im Forum Spur N von sven1504
4 13.08.2016 17:36
von sven1504 • Zugriffe: 577
Dapol Black Label
Erstellt im Forum Spur OO von FelixM
0 30.11.2015 14:33
von FelixM • Zugriffe: 444
Fragen zum dapol-N-Modell der LNER A4-Pazifik
Erstellt im Forum Spur N von wartenbes
40 07.04.2015 00:04
von wartenbes • Zugriffe: 3441
Interessantes entdeckt zur LNER Class A4
Erstellt im Forum Historisches Forum von Aldwych
9 16.05.2010 16:24
von Sir Madog • Zugriffe: 802
 Sprung  
Xobor Forum Software © Xobor
Datenschutz